Jeyaratnam Caniceus

Mitglied der ÖDP
Ratsherr der Stadt Kempen

 

Großes Engagement gegen Hassparolen - mit einem Kommentar von Tobias Klingen
von Westdeutsches Zeitung - Ulrike Gerards/Foto:Friedhelm Reimann
18.09.17     Klicks:3125     A+ | a-
Schüler der Erich Kästner Realschule
Schüler der Erich Kästner Realschule
Die Ausstellung „Hass vernichtet“ in der Christ-König-Kirche ist ein Zeichen gegen Gewalt und für Menschlichkeit.

Auch Kempen ist nicht verschont, wenn es um aufgeklebte, gekritzelte oder gesprühte Hassparolen geht. Das weiß Jeyaratnam Caniceus nur zu gut. Daher hat er die Ausstellung „Hass vernichtet“ der Friedensaktivistin Irmela Mensah-Schramm in die Thomasstadt geholt, die am Sonntag in der Kirche Christ-König eröffnet wurde. „Hassparolen sind in der realen wie in der digitalen Welt allgegenwärtig“, so Caniceus. Jeder sei aufgerufen, sich einzumischen. „Hass ist für uns Christen keine Alternative“, sagte der Initiator des Projektes, das durch das Bundesprogramm „Demokratie Leben“ unterstützt wird.

Dass ein solches Engagement gegen Hass und Gewalt nach wie vor notwendig ist, wurde sehr deutlich. Alice Poeira, Sprecherin des Arbeitskreises Multi-kulturelles Forum, berichtete davon, dass sie in der Vergangenheit schon bei vielen Aktionen gegen Hass gesprochen habe. Ein hoffnungsloses Unterfangen seien solche Aktionen trotzdem nicht. Es sei vielmehr wichtig, sich für ein tolerantes Miteinander und eine multikulturelle Gesellschaft einzusetzen.

Auch der Politikwissenschaftler Klaus-Peter Hufer berichtete von der Enthemmung und Verrohung der Gesellschaft, in der Aufrufe zur Gewalt mit Meinungsfreiheit verwechselt würden. Auch er rief dazu auf, sich dem entgegenzustellen – mit dem Erich Kästner Zitat: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“

„Ein schönes rotes Herz, eine blaue Wolke oder eine Blume sind doch schöner als ein Hakenkreuz.“
Irmela Menasah-Schramm


Gegen die düsteren Beobachtungen und Aussichten setzt die fröhliche Art, mit der die Berlinerin Irmela Mensah-Schramm ihre Arbeit verrichtet, einen Kontrapunkt. Seit mehr als 30 Jahren beseitigt sie Hassparolen in ganz Deutschland, hat auf einer Karte alle Einsatzgebiete verzeichnet. Seit 1986 habe sie ihre Ausrüstung perfektioniert, berichtet sie.

Ein Ceranfeldschaber sei optimal, um hetzende Aufkleber abzukratzen, mit Nagellackentferner rücke sie hasserfüllten Edding-Kritzeleien zu Leibe, Spraydosen helfen gegen gesprühte Hassparolen. „Ein schönes rotes Herz, eine blaue Wolke oder eine Blume sind doch schöner als ein Hakenkreuz“, sagt sie schmunzelnd.

Ihre Aktionen wurden in der Vergangenheit bereits als Sachbeschädigung gewertet. Dabei werde sie nur aktiv, wo es schon Sachbeschädigung gab. Außerdem: „Meine Schäden sind reparabel, die Schäden, die die Parolen bei Menschen verursachen, sind es nicht“, sagt die 71-Jährige.

Zur Eröffnung der Ausstellung setzten auch Schüler der Erich Kästner Realschule ein Statement für Toleranz und gegen Fremdenhass. Sie zeigten einige Stücke auf ihrem Musical „Bei aller Liebe“. In der Kirche Christ-König ist bis zum 15. Oktober die Ausstellung zu sehen, die nicht nur sehr drastische Hassparolen im öffentlichen Raum zeigt, sondern auch einige Beispiele, wie die Aktivistin dagegen vorgegangen ist. Aus „Lasst Menschen verrecken“ wurde da zum Beispiel „Lasst Menschen zusammenkommen“.

In dieser Woche nehmen Kempener Schüler an Workshops mit Irmela Mensah-Schramm teil, in denen sie mit der Aktivistin über das Thema diskutieren können und auch selbst ausprobieren, wie man Nazi- und Hassparolen zu fröhlichen Bildern umwandeln kann.

Kommentar: Ein guter Zeitpunkt

Von Tobias Klingen
Für die Initiative, die Ausstellung „Hass vernichtet“ nach Kempen zu holen, kann man Jeyaratnam Caniceus nur dankbar sein. Abermals setzt der Ratsherr der Grünen mit seinem Einsatz ein Zeichen gegen Hass und Gewalt.

Und der Zeitpunkt der Eröffnung könnte nicht besser gewählt sein. Denn Deutschland steht wenige Tage vor einer wohl einschneidenden Bundestagswahl. Legt man die jüngsten Umfragewerte zu Grunde, wird mit der AfD erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg eine rechtspopulistische Partei ins Parlament einziehen. Eine rechtspopulistische Partei, die Mitglieder duldet, von denen Hass ausgeht. Eine Vereinigung, die diesen Hass sogar bewusst für ihre Zwecke nutzt.

Die Ausstellung in Kempen ist ein kleines, aber wichtiges Zeichen in einer Zeit, in der organisierter Hass den Wahlkampf belastet. In einer Zeit, in der wohlkalkulierte hassschürende Aussagen zu Schlagzeilen werden. In einer Zeit, in der die inszenierte Empörung von AfD-Politikern in Fernsehsendungen die Debatten bestimmen. Diese Vorgehensweisen kann man im dunkelsten Kapitel der deutschen Geschichte nachschlagen.

Liebe Leser, bedenken Sie das, wenn Sie am Sonntag in die Wahlkabine gehen. Geben Sie dem Hass, der mit Kritzeleien beginnt und weiter wuchert, keine Chance.


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